IM KREIS DER JAHRESZEITEN
Eine Eiche streckt ihre Knospen der Frühlingssonne entgegen, wächst und brennt im Sommer, während aus ihrer Asche neues Leben keimt. Im Herbst wird gefeiert, gestritten und geträumt, bevor der Winter mit eisiger Stille alles in seinen Bann zieht. Doch im Schmelzen des Schnees liegt bereits der nächste Frühling. Im Kreis der Jahreszeiten erzählt in eindringlichen Bildern vom ewigen Wandel der Natur – und damit auch von uns selbst. In einer einzigartigen Verbindung aus zeitgenössischem Tanz, Improvisation und Max Richters hypnotischer Neukomposition von Vivaldis Vier Jahreszeiten tanzen sich drei Tänzer*innen durch Erneuerung, Zerstörung, Transformation und Wiedergeburt. Getragen von Max Richters Neukomposition, einer poetischen Bildsprache, minimalistischen Ästhetik und einer tiefen emotionalen Kraft macht dieses Community Dance Projekt den Rhythmus des Lebens spürbar – für Tänzerinnen wie für das Publikum.
Aufführungsdaten
Freitag 20. Juni 2025, 19.30 Uhr Theater Stok (Premiére)
Sonntag 22. Juni 2025, 17.00 Uhr Theater Stok
Vorgruppe: Tänzerinnen aus dem Programm der Kinder- und Nachwuchsföderung der LaDina Tanzcompagnie
Dauer: 70 Minuten ohne Pause
Produktionsleitung: LaDina Tanzcompagnie / Künstlerische Leitung, Mentorin: LaDina Bucher / Tanz, Choreografie, Szenerie, Licht: Claudia Canella, Martina Quiblier, Kristina Boldog / Musik: Recomposed: Vivaldi the four seasons von Max Richter / Fotografie: Tata Lorenzo / Videografie: Eleonora de Simoni
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Der Auftakt des Stücks ist der Frühlingsbeginn. Die Tänzer*innen tragen ein Stirnband aus Frühlingsblumen und seidene Tücher an ihren Handgelenken. Sie formieren sich zu einer Eiche, die ihre Knospen der Frühlingssonne entgegenstreckt. Es folgt eine Improvisationssequenz in wechselnden Formationen, die die Zuschauenden dazu einlädt, sich mit dem Wachstum in der frühlingshaften Natur zu verbinden.
Der letzte Teil folgt einem choreografierten Ablauf, der die Tänzer*innen in ein gemeinsames Spiel bringt und für die Zuschauenden als Kanon von Bewegungsabläufen sichtbar wird. Es ist die Freude am beginnenden Leben.
Das Spiel zieht sich bis in den Sommer hinein. Es wird wilder und ungestümer. Aus Spiel wird Ernst. Die Eiche fängt unter der brütenden Sommerhitze Feuer. Sie kämpft ums Überleben im dichter werdenden Rauch - und fällt schliesslich in sich zusammen; es bleibt nur noch Asche.
Nach dem ersten Schock suchen sich neue Keimlinge ihren Weg an die Oberfläche. Die Tänzer*innen verkörpern dieses Thema mittels einer Improvisation unter einem durchsichtigen Tuch. Im letzten Teil des Sommers feiern die Tänzer*innen mittels eines strukturierten Bewegungsablaufes ihre Neugeburt. Sie suchen noch nach sich selbst und nach einander. Der Sommer endet mit stark verlangsamten Bewegungen im Einklang mit der Musik in der Schwerelosigkeit des Universums, die diese Identitätssuche symbolisiert.
Ein herbstliches Erntedankfest steht an. Drei Freund*innen machen sich auf den Weg zum Ball. Sie wollen dort ihre Choreografie zeigen. Es wird reichlich Wein getrunken. Die Bewegungen werden fahriger, das Timing zwischen ihnen stimmt nicht mehr genau. Darüber geraten die Freund*innen in einen heftigen Streit. Vom Streiten und dem Wein allmählich müde geworden, suchen sie die Versöhnung in einer Kontaktimprovisation und schlafen schliesslich ein. Sie träumen vom Tanz der fallenden Herbstblätter im Wald. Zwischen den Bäumen tritt majestätisch ein Hirsch hervor. Ein Hahn will ein Wörtchen mitreden, bevor die Schwalben weiterziehen.
Der Schwalbenschwarm gerät auf seinem Weg Richtung Süden in einen Wintersturm. Die Formation wird auseinandergerissen. Erschöpft vom Kampf gegen den Wind landet eine Schwalbe auf dem Boden. Mit einer unheimlichen Selbstverständlichkeit überziehen die Schneeköniginnen alles mit eisiger Kälte und Stille.
Sind da etwa erste Tautropfen zu hören?
Im Rausch des schmelzenden Eises tanzen die drei Freund*innen Waltzer und der Jahreszeitenkreislauf schliesst sich.
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Claudia Canella
Claudia Canella tanzt seit 19 Jahren Flamenco, viele Jahre unter der künstlerischen Leitung von Sina de Alicia mit jährlichen Aufführungen. Sie bildet sich regelmässig in verschiedenen Workshops von professionellen Flamencotänzer*innen weiter, zuletzt etwa bei Leonor Leal, Selene Muñoz oder Carina La Debla. Auf der Suche nach einer Supervisorin, welche die Entwicklung zur eigenen künstlerischen Bewegungssprache über die Stilgrenzen hinaus unterstützen kann und will, begann Claudia Canella 2023 die Zusammenarbeit mit Ladina Bucher. Claudia Canella ist seit 2024 Mitglied der LaDina Tanzcompagnie. Im Laufe Ihrer Zusammenarbeit mit LaDina war sie zuletzt in einer tragenden Rolle des Stücks Amor Brujo öffentlich zu sehen und war auch beim Projekt Der Klang der Offenbarung des Göttliches Teil des Ensembles. Im Projekt Im Kreis der Jahreszeiten ist sie seit Beginn in einer aktiven Rolle bei den Proben und den Aufführungen Teil der co-kreativen Gruppe.
Martina Quibler
Martina Quiblier ist seit 2024 Mitglied der LaDina TanzCompagnie. Seit Beginn ist sie bei der Stückentwicklung «Die Vier Jahreszeiten» recomposed by Max Richter, als Tänzerin und Co-Entwicklerin der Choreografie tätig. Sie ist an den Aufführungen «Frühling», «Sommer», «Herbst» aufgetreten und wird Ende März bei «Winter», im Juni bei der Inszenierung «Die Vier Jahreszeiten» zu sehen sein.
Der tänzerische Schwerpunkt von Martina Quiblier liegt auf Flamenco und Salsa. Ihre Tanzbiografie beinhaltet die Erkundung unterschiedlichster Stile, u. a. Tanzimprovisation, Ballett und Hiphop.
Sie zeichnet sich durch ihren offenen Geist mit grossem Interesse an der Vielfalt und dem Verbindenden des Tanzens aus. Ihren tänzerischen Horizont erweitert sie durch das Entdecken neuer Stilformen und lässt diese in ihre tänzerische Praxis einfliessen; gegenwärtig erkundet sie afrokubanischen Tanz mit Fokus auf Rumba Cubano.
Ihr tänzerisches Schaffen ist geprägt durch ihr Interesse am Ungewohnten und Merkwürdigen, Stilbrüchen und der Integration von stilfremden Elementen, sowie dem Zusammenspiel und Verschmelzen von Körpern zu einer Einheit.
Ihre persönliche Tanzsprache ist verspielt, ausdrucksstark und kraftvoll.
Kristina Boldog
Seit meiner Jugend ist das Tanzen ein zentraler Bestandteil meines Lebens. Begonnen habe ich mit ungarischem Volkstanz, einer Tradition, die mir nicht nur die Freude an der Bewegung, sondern auch eine tiefe Ver9bindung zu meiner Kultur vermittelt hat. Im Laufe der Zeit entwickelte sich unsere Gruppe zu einer angesehenen Tanzformation, die in verschiedenen Städten Europas auftrat. Diese Erfahrungen öffneten mir die Türen zur weitreichenden Tanzwelt und schenkten mir unvergessliche Erinnerungen.
Nach den ersten Schritten im Volkstanz entschied ich mich, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln, und wandte mich dem Ballett zu. Hier lernte ich nicht nur die Grundlagen der Kraft, Technik und Haltung, sondern auch Disziplin und Ausdrucksstärke. Parallel dazu entdeckte ich die Faszination des Contemporary Dance, eine Stilrichtung, die ich bis heute mit Begeisterung praktiziere.
Durch das Dance Center Schaffhausen sammelte ich wertvolle Theatererfahrungen, die mir halfen, meine tänzerische Ausdruckskraft weiterzuentwickeln. Jede Aufführung war nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten und gemeinsam neue Geschichten zu erzählen.
Im Laufe der Jahre habe ich meine Tanzpalette erweitert und verschiedene Stile wie Flamenco und Improvisation kennengelernt. Diese Vielfalt bereichert mein Tanzrepertoire und ermöglicht es mir, mich auf unterschiedliche Weisen auszudrücken. Als ausgebildete Bewegungspädagogin unterrichte ich zudem Tanz für ältere Menschen im Rahmen von „Everdance“. Es erfüllt mich, die Freude und Vitalität des Tanzes auch in diesem Lebensabschnitt zu vermitteln.
Eine weitere Facette meiner tänzerischen Reise war das Angebot von Yoga Dance, das ich einige Zeit lang praktizierte. Diese Kombination aus Tanz und Yoga hat mir geholfen, Körper und Geist in Einklang zu bringen und neue Ausdrucksformen zu finden.
Tanzen beschäftigt mich mein ganzes Leben lang. Ich finde immer wieder neue Wege, mich auszudrücken und Neues auszuprobieren. Seit einem Jahr bin ich Teil der Ladina Tanzcompanie, die mich in meinem tänzerischen Ausdruck fördert und inspiriert. Ich freue mich darauf, weiterhin zu wachsen, neue Tanzformen zu entdecken und meine Leidenschaft für das Tanzen mit anderen zu teilen.
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Die einzelnen Jahreszeiten wurden in einem Drei-Monatszyklus zwischen Januar 2024 - März 2025 erarbeitet, und zwar jeweils während der tatsächlichen Jahreszeit, also der Frühling im Frühling, der Sommer im Sommer etc. Die Stücke wurden dann einzeln zum Ende jeder Jahreszeit am Tag der Sonnenwende (z.B. 21.6. oder 21.12.) aufgeführt.
Zwischen März und Juni 2025 werden nun die einzelnen Jahreszeiten zu einem Gesamtstück neu zusammengefügt und an der Sonnenwende im Juni im Theater Stok gezeigt.
Mehr zum Ganzjahresprojekt DIE VIER JAHRESZEITEN erfahren sie hier in unserem Archiv: LINK